Neue Rote Liste der Wildbienen Baden-Württembergs veröffentlicht

Nach mehr als 20 Jahren liegt nun die aktualisierte, vierte Fassung der Roten Liste der Wildbienen Baden-Württembergs vor. An den umfassenden Arbeiten waren zahlreiche Expertinnen und Experten beteiligt. Hierbei wurde der aktuelle Erhaltungszustand und die Gefährdungssituation der Wildbienenarten in Baden-Württemberg erarbeitet. Die Aktualisierung der Roten Liste wurde schließlich in einer siebenköpfigen Expertengruppe mit langjähriger Erfahrung in der Wildbienenforschung durchgeführt. Dabei flossen insbesondere die umfangreichen Erkenntnisse aus der Datenbank des Wildbienen-Kataster ein, die im Jahr 2003 durch eine Initiative von Hans Schwenninger und Rainer Prosi aufgebaut wurde. Die neue Rote Liste basiert somit auf einer stark erweiterten Datenlage mit über 300.000 Datensätzen, die seit der letzten Roten Liste im Jahr 2000 zusammengetragen wurden. Somit wurde die Zahl der Datensätze im Vergleich zur vorherigen Roten Liste mehr als versechsfacht. Die Arbeit wurden von der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) im Jahr 2019 beauftragt und vom Staatlichen Museum für Naturkunde Karlsruhe koordiniert.

 

Insgesamt umfasst die Liste 493 Arten, die in Baden-Württemberg vorkommen oder dies in der Vergangenheit taten. Die neuen Auswertungen im Rahmen der Roten Liste zeigen, dass viele Wildbienenarten weiterhin rückläufig sind, was gravierende Folgen für die Bestäubung einheimischer Pflanzen und damit für ganze Ökosysteme hat. So stehen insgesamt 48,2 % der baden-württembergischen Wildbienenarten auf der Roten Liste. Zusätzlich befinden sich 9,4 % der Arten auf der Vorwarnliste , und bei 2,2 % der Arten ist die Datenlage für eine Bewertung noch unzureichend. Somit gelten nur ca. 40 % der Wildbienenarten in Baden-Württemberg als ungefährdet. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der systematischen Erfassung und Analyse der Daten, die in den vergangenen Jahren mit zunehmender Intensität gesammelt wurden. Diese Erkenntnisse können nun als Grundlage für Schutzmaßnahmen und politische Entscheidungen im Naturschutz dienen.

 

Die Rote Liste zeigt aber auch den hohen Stellenwert des bundesweit einzigartigen Artenschutzprogramms der Wildbienen Baden-Württembergs (ASP), das dem Schutz besonders bedrohter Wildbienenpopulationen dient. Durch das Habitatmanagement im Rahmen des Artenschutzprogramms konnten bislang zahlreiche stark bedrohte Wildbienenpopulationen erhalten und gefördert werden. Gleichzeitig zeigt die Rote Liste auch, dass dringend weitere Maßnahmen zum Erhalt der Wildbienen erforderlich sind, um deren Beständigkeit langfristig zu sichern. Mit den Arbeiten an diesem Projekt trägt das Kompetenzzentrum Wildbienen gGmbH dazu bei, den Wildbienenschutz in Baden-Württemberg voranzutreiben und das Bewusstsein für die Bedeutung dieser Organismen im Rahmen des Artenschutzes zu stärken.

Die Möglichkeit ein gedrucktes Exemplar zu bestellen, sowie weitere Informationen zur Roten Liste der Wildbienen Baden-Württemberg finden Sie hier.