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Als Bestäuber zahlreicher Kultur- und Wildpflanzen nehmen Wildbienen eine herausragende Rolle im Ökosystem ein und werden deshalb als Schlüsselarten bezeichnet. Sie sind wichtige Indikatoren zur artenschutzfachlichen Bewertung der Landschaft und zur Beurteilung von Eingriffen. Im Zuge des Insektensterbens rücken “Bienen” immer stärker in den Fokus des öffentlichen Interesses. Obwohl Wildbienen attraktive Insekten sind, ist die Erkennung und Unterscheidung der Arten nicht einfach. Es erfordert eine jahrelange intensive Beschäftigung mit Wildbienen, um die notwendige Erfahrung zum Auffinden im Gelände und Sicherheit beim Bestimmen zu erlangen.

Bienen sind in “Mode”, was dazu geführt hat, dass die Haltung des Nutztiers Honigbiene als vermeintlicher Beitrag zum Artenschutz befördert wird, obwohl es die wildlebenden Bienenarten sind, die unsere Aufmerksamkeit und unseren Schutz verdienen. Eine Vielzahl an Anpassungen in der Morphologie, Physiologie und des Verhaltens von Wildbienen sorgt dafür, dass sie eine ganze Reihe an Pflanzen sogar effizienter bestäuben als Honigbienen. Mittlerweile ist bekannt, dass Wildbienen neben der Honigbiene unersetzlich sind, um die Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen sicherzustellen und die Hälfte des ökonomischen Wertes weltweiter Bestäubung wird den Wildbienen zugeschrieben.

In vielen Studien werden oft wenig erfahrene Bearbeiter mit Kartierungen von Wildbienen und der Auswertung von Ergebnissen betraut. Die jahrzehntelange Expertise von Fachleuten, wie wir sie im Kompetenzzentrum Wildbienen bündeln können, gewährleistet, dass Daten aus solchen Projekten letztendlich auch zu korrekten Annahmen und effizienten Empfehlungen im Rahmen des Wildbienenschutz führen.

Mangel an Artenkennern, Feldbiologen und Bienen-Taxonomen

Bienenarten

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In Europa
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Es existieren nur wenige wirklich erfahrene Feldbiologen, die eine Bestimmung von Wildbienen im Gelände vornehmen können. Das hat mehrere Gründe: Einerseits gehen viele langjährige Artenkenner sukzessive in den Ruhestand, andererseits ist die Ausbildung neuer Artenkenner nicht ausreichend, um die Nachfrage abzudecken. Viele Universitäten haben sich von der Vermittlung profunder Artenkenntnis abgewandt. Kürzere Studienzeiten und eine Lehre, die vermeintlich „modernere“ Inhalte in den Fokus stellt, lassen keine Zeit für Bestimmungsübungen, die als Initialzündung für zukünftige Feldbiologen von Bedeutung sind. Bereits seit einigen Jahren sind Studierende für ihre Abschlussarbeiten sowie Doktoranden auf die Zuarbeit von externen Artenkennern angewiesen, um Bienenarten für ihre Projekte zu erfassen und teilweise oder vollständig zu identifizieren.

Feldbiologie und Taxonomie – eine Wissenstradition

Mit dem Rückgang der Feldbiologen verschwinden das Wissen und die Erfahrung zum Auffinden, Erfassen und Bestimmen von Wildbienen im Gelände, obwohl diese Kenntnis in Mitteleuropa auf eine lange Tradition zurückblickt. Diese Fähigkeiten können nur durch persönliche Anleitung über mehrere Jahre vermittelt werden. Der Austausch zwischen Experten zu Erfahrungen bei der Erfassung im Gelände, die Diskussion über strittige Artenkomplexe und das Begleiten von Einsteigern braucht eine kritische Masse an Personen, die sich einer Artengruppe widmen. Die Nachfrage von Einsteigern nach Bestimmungsübungen zu Wildbienen ist aktuell enorm groß. Solche Personen werden traditionell von Feldbiologen “mitgenommen” und in den ersten Jahren bei der Bestimmung ihrer Funde intensiv begleitet. Wenn die taxonomische Expertise und auch die Erfahrung der Feldbiologen nur noch bei einer Handvoll Personen in Europa zu finden ist, zerreißt die Kette der Weitergabe von Erfahrung und Wissen über Generationen. Auch in Mitteleuropa wissen wir noch nicht alles über die Lebensweise der Wildbienen: Aktuelle Beobachtungen ersetzen noch immer alte Fehleinschätzungen und sogar neue Arten werden beschrieben. Wer beobachtet und korrigiert die Fehler, wenn nur noch wenige Personen die Arten im Gelände sicher erkennen können?