Zum Erhalt der Biodiversität sind Wildbienen als essentielle Bestäuber von Kultur- und Wildpflanzen besonders zu berücksichtigen. Grundlage hierfür ist jedoch ein Überblick darüber, welche Arten vorkommen bzw. ehemals vorhanden waren. Zusammen mit Kollegen und Kolleginnen aus den verschiedenen Bundesländern Deutschlands haben die Wildbienen-Experten des Kompetenzzentrums über Jahre Funddaten recherchiert, Belegexemplare in Sammlungen überprüft und diese in Datenbanken festgehalten. Somit dokumentiert die neue Checkliste alle jemals aus dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland in den heutigen Grenzen gemeldeten Wildbienen. Das Verzeichnis enthält 604 aktuell oder ehemals bodenständige Arten (ohne das Nutztier Honigbiene). Für die verschiedenen Bundesländer werden kontinuierlich aktualisierte Checklisten auf der Homepage des Kompetenzzentrum Wildbienen zum Download bereitgestellt.
Seit dem Erscheinen der letzten Checkliste von 2015 (Scheuchl & Schwenninger 2015) sind 22 Arten hinzugekommen. Dabei haben unter anderem taxonomische Änderungen zur Entdeckung neuer/kryptischer Arten geführt. Außerdem profitieren einige wärmeliebende Arten, die in den vergangenen Jahren erstmals in Deutschland nachgewiesen wurden, von den steigenden Temperaturen infolge des Klimawandels. Andererseits sind 37 Arten bundesweit ausgestorben. 270 Arten stehen auf der Roten Liste und 42 Arten auf der Vorwarnliste der Bienen Deutschlands. Lediglich ein gutes Drittel der Wildbienenarten gilt deutschlandweit als ungefährdet. Jedoch auch bei bislang weit verbreiteten und häufigen Bienenarten, insbesondere Sandbienen, haben die Populationen in den vergangenen Jahren drastisch abgenommen (Schwenninger & Scheuchl 2016). So sind mittlerweile auch ehemals häufige Arten mittlerweile Kandidaten für die Rote Liste. Darüber hinaus können einige Bienenarten trotz geeigneter Schutz- und Fördermaßnahmen nicht immer erhalten werden, wie das Beispiel der Schwarzen Mörtelbiene (Megachile parietina) im Nördlinger Ries zeigt (Schwenninger & Scheuchl 2016), die an ihrem östlichen Vorposten in Deutschland mittlerweile ausgestorben ist.
Eine der Hauptursachen für die vielerorts kritische Bestandssituation einer großen Zahl von Bienenarten ist die zunehmende Reduktion der Landschaftskomplexität und die extreme Blütenarmut unserer Kulturlandschaft. So nehmen beispielsweise Kräuter, die auf Wildbienenbestäubung angewiesen sind, erkennbar ab, während Gräser, die durch den Wind bestäubt werden, erhebliche Vorteile bei der Samenproduktion haben. Dadurch wird die Vergrasung des Offenlands und der Verlust an Bestäubern immer problematischer.
Die neue Checkliste der Wildbienenarten Deutschlands findet sich in der ersten Ausgabe von Anthophila – der Zeitschrift des Kompetenzzentrum Wildbienen.
Zitat: Scheuchl E., Schwenninger H.R., Burger R., Diestelhorst O., Kuhlmann M., Saure C., Schmid-Egger C. & Silló N. (2023): Die Wildbienenarten Deutschlands – Kritisches Verzeichnis und aktualisierte Checkliste der Wildbienen Deutschlands (Hymenoptera, Anthophila). — Anthophila 1: 25-138.
Literatur
Scheuchl E., & Schwenninger H.R., 2015. Kritisches Verzeichnis und aktuelle Checkliste der Wildbienen Deutschlands (Hymenoptera, Anthophila) sowie Anmerkungen zur Gefährdung. — Mitt. Ent. Ver. Stuttgart 50: 3–225.
Schwenninger H.R., & Scheuchl E., 2016. Rückgang von Wildbienen, mögliche Ursachen und Gegenmaßnahmen (Hymenoptera: Anthophila). — Mitt. Ent. V. Stuttgart 51: 21–23.

